Die komplexe Coding-Suche

Anders als in der klassischen quantitativen Inhaltsanalyse stellt das Kategorisieren der Daten in der qualitativen Analyse nicht das Ende des Arbeitens mit den Dokumenten dar, sondern es ist ein Schritt zur weiteren interpretativ orientierten Analyse der Dokumente. Die Kategorien legen eine Struktur über das Dokument, aber sie ersetzen es nicht. Die Analysefunktionen von MAX­QDA sind ein Hilfsmittel, um sich in dieser Struktur zu bewegen und diese weiter zu entwickeln.

MAX­QDA ermöglicht es, die aktivierten Codes in unterschiedlicher Weise bei der Zusammenstellung von codierten Segmenten in unterschiedlichen Kombinationen zu berücksichtigen. In diesem Abschnitt geht es um komplexere Kombinationsmodi, von denen MAXQDA eine Vielzahl anbietet.

Die komplexe Coding-Suche ist an folgenden Stellen aufrufbar:

  • Über das Menüband Analyse > Komplexe Coding-Suche oder
  • durch Klick auf das Symbol  in der Statusleiste am unteren Bildschirmrand oder
  • über einen Rechtsklick in den grauen Bereich mit den Herkunftsangaben im Fenster „Liste der Codings“ und Wahl des Eintrags Komplexe Coding-Suche.
„Komplexe Coding-Suche“ über Kontextmenü in der „Liste der Codings“ aufrufen

Es öffnet sich daraufhin folgendes Fenster:

Dialogfenster für die komplexe Coding-Suche

Das Dialogfenster hat folgenden Aufbau:

  • Im Dialogfeld “Funktion” erfolgt die Auswahl einer Analysefunktion, also eines Kombinationsmodus der Codes, dessen Funktionsweise jeweils beschrieben ist.
  • Darunter befinden sich drei Fensterbereiche mit der Bezeichnung Fenster A, Fenster B und Fenster C.
  • Fenster A wird bei allen Funktionen benötigt. Hier erfolgt die Codeauswahl für die gewählte Funktion, und zwar so, dass zunächst Codes in der „Liste der Codes“ zu aktivieren sind, die dann durch Klicken auf die Schaltfläche Alle aktivierten in dieses Auswahlfenster übernommen werden.
  • Fenster B dient ebenfalls zur Codeauswahl, aber so, dass ein Code aus der „Quickliste der Codes“ ausgewählt werden kann. Dazu ist die Schaltfläche mit dem Symbol  an der rechten Seite von Fenster B anzuklicken. Um einen Code in die Quickliste zu transferieren, müssen Sie ihn einfach in der „Liste der Codes“ anklicken.
  • Fenster C erlaubt die Parametereingabe, z.B. für die Entfernungsfunktionen die Eingabe des maximal erlaubten Abstandes zwischen zwei Codierungen.
  • Der Bereich „Ergebnis“, der sich darunter befindet, erlaubt für einige Funktionen die Auswahl dessen, was in der „Liste der Codings“ als Ergebnis gelistet wird.
Tipp: Sie können Codes auch direkt per Klicken und Ziehen mit der Maus aus der „Liste der Codes“ in den Fensterbereich A und B hineinziehen.

Der Bereich „Optionen“ erlaubt folgende Einstellungen:

Nur aktivierte Dokumente [Anzahl aktuell aktivierter Dokumente] – die Coding-Suche beschränkt sich auf die aktuell aktivierten Dokumente. Sie können die Aktivierung in der „Liste der Dokumente“ auch bei geöffnetem Dialog anpassen.

Subcodes einbeziehen – bei eingeschalteter Option werden nicht nur die ausgewählten Codes, sondern auch dessen Subcodes berücksichtigt. Man kann sich die Option so vorstellen, dass die Codes im Codesystem eingeklappt werden und auch alle codierten Segmente der Subcodes bei der Coding-Suche einbezogen werden. Details zu dieser Option finden sich im Abschnitt Subcodes bei der Coding-Suche einbeziehen. Diese Option ist nach erfolgter Coding-Suche auch in der Statusleiste einstellbar.

Gewichtsfilter anwenden – bei eingeschalteter Option werden nur die Codings gefunden, deren Gewicht im eingegebenen Bereich liegt. Der Gewichtsfilter ist nach erfolgter Coding-Suche auch in der Statusleiste einstellbar.

Nur Codings folgender Benutzer – bei eingeschalteter Option werden nur die Codings berücksichtigt, die ursprünglich von den ausgewählten Benutzern erstellt wurden.

Oberhalb der Buttons können Sie sehen, wie viele Segmente gefunden wurden, also für wie viele Segmente die die eingestellten Bedingungen zutreffen.

Sobald man auf den Button Start klickt, wird die Coding-Suche gestartet.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die verschiedenen Analysefunktionen.

BezeichnungKurzbeschreibung
Überschneidung
(„small picture“)
Suche nach Segmenten, bei denen alle in „A“ gelisteten Codes vergeben wurden. Es wird nur die Schnittmenge ausgegeben, in der alle Codes vorhanden sind.
Überschneidung (Set)Suche nach Segmenten, bei denen mindestens X der in „A“ gelisteten Codes vergebenen wurden. Es wird nur die Schnittmenge ausgegeben.
Überlappung
(„big picture“)
Suche nach Segmenten, bei denen alle in „A“ gelisteten Codes vergeben wurden. Es werden die äußersten Segmentgrenzen bei der Ausgabe verwendet.
Nur ein Code alleinSuche nach Segmenten, bei denen nur einer der in „A“ gelisteten Code vergeben wurde (die anderen unter „A“ gelisteten Codes aber nicht).
Nur dieser Code alleinSuche nach Segmenten, bei denen der in „B“ gewählte Code vorhanden ist, aber kein einziger der Codes aus „A“.
Wenn innerhalbSuche nach Segmenten, bei denen sich einer der in „A“ gelisteten Codes vollständig innerhalb des in „B“ gewählten Codes befindet.
Wenn außerhalbSuche nach Segmenten, bei denen sich einer der in „A“ gelisteten Codes vollständig außerhalb des in „B“ gewählten Codes befindet.
Gefolgt vonSuche nach Segmenten, bei denen einer der in „A“ gelisteten Codes vergeben wurde und denen der in „B“ gewählte Code im Abstand X folgt. (Bild- und PDF-Dokumente werden ignoriert.)
NäheSuche nach Segmenten, bei denen einer der in „A“ gelisteten Codes vergeben wurde und der in „B“ gewählte Code im Abstand X davor oder danach vorhanden ist. (Bild- und PDF-Dokumente werden ignoriert.)

Welche Funktion aktuell ausgewählt ist, wird unten in der Statuszeile angegeben:

Angabe des Kombinationsmodus in der Statusleiste
Hinweis: Wenn im Fenster „Liste der Codings“ keine Segmente angezeigt werden, kann dies daran liegen, dass unbeabsichtigt ein Kombinationsmodus angeschaltet ist, den man eigentlich gar nicht will.