Fokusgruppen-Transkripte

MAXQDA bietet eine Vielzahl an Funktionen für die Analyse von Fokusgruppen. Um diese Funktionalität nutzen zu können, ist es notwendig, Fokusgruppen-Transkripte über eine spezielle Funktion zu importieren. Wenn man Fokusgruppen in MAXQDA transkribiert oder ein Transkript bereits importiert hat, lässt es sich auch nachträglich in ein Fokusgruppen-Transkript umwandeln.

Beim Import eines Fokusgruppen-Transkripts bzw. Umwandeln in ein Fokusgruppen-Transkript werden die Sprechbeiträge mit den jeweiligen Sprechernamen codiert, sodass man bei der Analyse leicht nach einzelnen Teilnehmenden differenzieren kann.

Fokusgruppen-Transkripte importieren

Um ein Fokusgruppen-Transkript in MAXQDA zu importieren, wählen Sie auf dem Tab Import die Funktion Fokusgruppen-Transkripte und wählen im Aufklappmenü das passende Transkriptformat aus. Die Verknüpfung des Transkripts mit einer Audio- oder Videodatei sowie der Umgang mit Zeitmarken entspricht dem Import eines „normalen“ Transkripts.

Import eines Fokusgruppen-Transkripts aufrufen

Beim Import erzeugt MAXQDA automatisch für jeden Teilnehmenden einen eigenen Code im Codesystem und codiert für die spätere Auswertung und Differenzierung automatisch alle Sprechbeiträge eines Teilnehmenden mit dessen Code. Damit dieser automatische Einleseprozess reibungslos verläuft, stellt MAXQDA an den Aufbau und die Struktur des Transkripts folgende Anforderungen:

  • Jeder Sprechbeitrag beginnt in einem neuen Absatz. Zu Beginn jedes Sprechbeitrages steht der Name des Teilnehmenden, gefolgt von einem Doppelpunkt. Ob der Name in Fettdruck steht, spielt ebenso wenig eine Rolle wie der Schrifttyp – allerdings wird Groß- und Kleinschreibung beachtet. Auch Namen wie „Lisa B.“ oder „Gábor“ mit Leerzeichen und Sonderzeichen stellen kein Problem beim Import dar. Der darauffolgende Text wird mit dem Namen des Teilnehmenden codiert, und zwar bis zum nächsten Sprecher.
  • MAXQDA toleriert versehentlich gesetzte Leerzeichen vor einem Namen oder vor einem Doppelpunkt und behandelt die zugehörigen Namen als identisch.
  • Die Namen der Teilnehmenden vor dem Doppelpunkt dürfen maximal 63 Zeichen lang sein.
  • Textabschnitte zu Beginn des Transkripts (in denen kein Doppelpunkt innerhalb von 63 Zeichen vorkommt) werden nicht codiert. Am Anfang des Transkripts haben Sie somit die Möglichkeit, allgemeine Informationen zur Fokusgruppe festzuhalten und einen Titel für das leichte Erkennen des Dokuments zu setzen.
  • Zeitmarken, die von einer Transkriptionssoftware stammen, werden wie üblich behandelt: MAXQDA fragt Sie beim Einlesen des Transkripts nach der zugehörigen Audio-/Videodatei, die mit dem Transkript verknüpft werden soll. Die Zeitmarken werden in das MAXQDA-Projekt eingelesen und aus dem Text entfernt.

Nehmen wir folgendes Interview mit mehreren Personen als Beispiel:

Moderator: Guten Tag, ich begrüße Sie alle sehr herzlich und danke Ihnen für Ihre Bereitschaft an unserer Forschungsarbeit teilzunehmen. Wie bereits vorab angekündigt möchte ich mit Ihnen über das Thema Klimawandel sprechen. Die erste Frage, die ich mit Ihnen besprechen möchte, lautet: Inwieweit interessieren Sie sich für das Thema Klimawandel?

Jamie: Ich denke, dass man an dem Thema heute nicht mehr vorbeikommt. Wenn man die Zeitung aufschlägt oder wenn ich jetzt mal an den aktuellen Sommer denke, fragt man sich schon, ist das normal oder hängt das mit dem Klimawandel zusammen. Insofern denke ich, kommt man gar nicht daran vorbei, sich mit dem Thema zu beschäftigen.

Alex: Also, ich kann sagen, dass ich mich selbst dafür nicht aktiv interessiere. Ähm, also ich gehe jetzt nicht ins Internet und suche nach Artikeln. Aber man kriegt es ja so mit, zum Beispiel in USA und Kalifornien, wo Waldbrände immer häufiger werden oder wo hier in Deutschland die Flüsse übertreten. So, das finde ich dann schon interessant. Mich würde interessieren, ob die Sommer noch wärmer werden, denn ich persönlich finde das gut. Ich freue mich darüber, dass die Sommer jetzt wärmer werden.

Moderator: Ich frage jetzt nochmal weiter nach dem Interesse. Inwieweit ist das denn bei Ihnen? Interessieren Sie sich für den Klimawandel?

Luca: Also, nur soweit das erforderlich ist, um da in Gesprächen mit anderen mal mitreden zu können. Aber ich habe da nicht so den Drang und ich sehe da nicht so den, also weder dass ich da stark von betroffen wäre, noch dass mein Einfluss auf das Klima immens wäre. Von daher, es gibt ja so ein Sprichwort, man muss sich halt entscheiden, kann man die Situation verändern und wenn nicht, muss man sie halt akzeptieren. … Gib mir die Kraft, die Dinge zu ändern und so weiter.

Nach dem erfolgreichen Import öffnet MAXQDA das Transkript sofort im „Dokument-Browser“ und an den Codierstreifen am Rand können Sie erkennen, dass die Sprechbeiträge bereits codiert wurden. Beim Import hat MAXQDA ein neues Dokument in der „Liste der Dokumente“ mit dem Dateinamen des Transkripts angelegt. Dieses Dokument hat ein eigenes Symbol, an dem Sie sofort erkennen können, dass es sich um eine Fokusgruppe handelt. Unterhalb des Dokuments sind die Teilnehmenden der Gruppendiskussion einzeln gelistet, wobei die Zahl am Ende der Zeile über die Anzahl der jeweiligen Sprechbeiträge informiert.

Die Teilnehmenden sind fest mit ihrem Transkript verbunden. Wenn Sie das Dokument in der “Liste der Dokumente” verschieben, wandern die Teilnehmenden natürlich mit. Nur die Reihenfolge der Teilnehmenden können Sie wie gewohnt mit der Maus anpassen. Wie andere Dokumente auch, lassen sich Fokusgruppen-Dokumente einer Dokumentgruppe oder einem Dokumentset zuordnen.

MAXQDA-Ansicht nach dem Import eines Fokusgruppen-Transkripts

In der „Liste der Codes“ sehen Sie eine ganz ähnliche Auflistung: Ganz unten im Codesystem wurde unterhalb des Eintrags „Fokusgruppen-Sprecher“ ein Code mit dem Namen der importieren Datei erzeugt, als Subcodes wurden die Teilnehmenden eingefügt, mit dem gleichen Symbol  wie in der „Liste der Dokumente“. Die Sprecher-Codes und die Sprecher am Dokument sind fest miteinander verbunden: Wenn Sie die Reihenfolge der Sprecher oder deren Namen im Codesystem verändern, verändert sich zeitgleich die Reihenfolge im Dokumentenbaum – und vice versa. Dies gilt auch für das Umbenennen und Löschen eines Fokusgruppen-Transkripts: Wenn Sie ein Transkript aus der „Liste der Dokumente“ entfernen, wird auch der zugehörige Code mit seinen Subcodes aus der „Liste der Codes“ gelöscht.

Tipp: Sie können die Fokusgruppen-Sprecher im Codesystem auch immer ganz oben anzeigen lassen. Klicken Sie hierzu auf das Zahnrad im Kopf des Fensters „Liste der Codes“ und wählen Sie die gleichlautende Option aus.

Dadurch, dass die Sprecher sowohl in der „Liste der Dokumente“ als auch in der „Liste der Codes“ verfügbar sind, eröffnen sich für die Analyse weitreichende Möglichkeiten, denn die Sprecher lassen sich unabhängig voneinander als eigenständige Codes und Teilmengen von Dokumenten aktivieren. Siehe: Fokusgruppen analysieren.

Tipp: Nach dem Import sollten Sie die Namen der Sprecher auf Schreibfehler überprüfen. Es wäre später ärgerlich, wenn die gleiche Person zweimal mit unterschiedlichen Namen auftaucht, nur weil sie unterschiedlich geschrieben wurde. Da sich die Sprecher-Codes nicht löschen lassen, müsste man in diesem Fall im Textverarbeitungsprogramm ggf. notwendige Korrekturen vornehmen und das Transkript erneut einlesen.

Wenn Sie mehrere Transkripte importieren, wird für jede importierte Fokusgruppe ein eigener Code mit den jeweiligen Sprechern als Subcodes angelegt. Die Sprecher sind fest mit ihrem jeweiligen Obercode verbunden und können nur unterhalb ihres Obercodes die Reihenfolge tauschen.

Tipp: Die automatische Codierfunktion von Sprechern kann auch für andere Dokumentarten interessant sein, bei denen mehrere Personen miteinander agieren, z.B. bei aufbereiteten Forumsdiskussionen oder Kommentaren zu Blogbeiträgen.

Einen bereits importierten Text in ein Fokusgruppen-Transkript umwandeln

Manchmal stellt man erst, nachdem ein Text importiert und codiert wurde, fest, dass es hilfreich wäre, ihn als Fokusgruppen-Transkript in MAXQDA zu managen. Auch für den Fall, dass Sie in MAXQDA ein Interview mit mehreren Personen transkribiert haben, ist es notwendig dieses nach Abschluss der Transkription die Sprecher automatisch codieren zu lassen.

Für diese Fälle existiert auf dem Tab Import die Funktion Text umwandeln > Angezeigten Text als Fokusgruppen-Transkript einfügen. Öffnen Sie für die Verwendung dieser Funktion zunächst das betreffende Textdokument und starten sie dann die Funktion. MAXQDA fügt unterhalb des geöffneten Textes ein Fokusgruppen-Dokument ein:

  • Die Sprecher werden automatisch codiert und entsprechende Codes in der „Liste der Codes“ erstellt.
  • Bereits vorhandene Codierungen und Memos werden in das neue Dokument kopiert, ebenfalls die Variablenwerte und die Summarys.
  • Eine zugeordnete Media-Datei wird auch dem neuen Fokusgruppen-Transkript zugeordnet.
  • Die Links im oder am Dokument werden nicht übertragen.